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Moostierchen gehen ab

Montag, Februar 21st, 2011


Grafik der Antarktis mit umgebendem Schelfeis

Bild: NASA-Goddard Space Flight Center

In den Gewässern der Antarktis scheint das Plankton seit einiger Zeit besonders gut zu gedeihen. Darauf deuten Kolonien von Moostierchen hin, die teils während der Expeditionen des britischen Polarforschers Scott vor gut einhundert Jahren gesammelt worden waren. Eine internationale Forschergruppe hat ermittelt, dass sich das Wachstum der Planktonfresser seit etwa zwei Jahrzehnten beschleunigt.

“Dies ist einer von vielen Hinweisen darauf, dass das Leben in der Antarktis in der jüngsten Zeit drastische Veränderungen erfährt”, erklärt David Barnes vom British Antarctic Survey. Das Phänomen sei am ehesten durch das Ozonloch und seinen Einfluss auf die regionalen Windverhältnisse zu erklären, so der Forscher und seine Kollegen. Temperaturen und Eisbedeckung hätten sich im betrachteten Zeitraum nur wenig verändert.

Moostierchen (Bryozoen) sind mikroskopisch kleine Tiere, die in mancherlei Hinsicht an Korallenpolypen erinnern. Wie diese ernähren sie sich von Planktonorganismen und wachsen in Kolonien, die im Falle der Art Cellarinella nutti wie moosbewachsene Zweige aus Kalk aussehen. Wie rasch die Tiere und damit die “Zweige” wachsen, lässt sich an regelrechten Jahresringen in diesem Kalkskelett ablesen.

Barnes und Kollegen verglichen Kolonien, die zu verschiedenen Zeiten im antarktischen Rossmeer gesammelt worden waren. Ein Teil der Proben stammte von den Discovery- und Terra-Nova-Expeditionen, zu denen Robert Falcon Scott in den Jahren 1901 bzw. 1913 aufgebrochen war. Diese Kolonien waren mit etwa 3,9 Millimeter pro Jahr ebenso schnell gewachsen wie solche aus den 30er- und aus den 70er-Jahren, berichten die Forscher im Fachblatt “Current Biology”. Seit Beginn der 90er-Jahre scheint sich der jährliche Zuwachs allerdings verdoppelt zu haben.

Stärker wehende Winde könnten diesen Wachstumsschub erklären, indem sie letztlich nährstoffreiches Tiefenwasser an die Meeresoberfläche brächten und so die Nahrung der Moostierchen besser gedeihen ließen, so die Forscher. Da das Kalkskelett einer Moostierchenkolonie nach deren Untergang im Sediment begraben werde, könne sich die hochtouriger laufende Nahrungskette letztlich senkend auf die Kohlendioxidkonzentration der Atmosphäre auswirken, erläutert Barnes: “Falls wir recht haben, stellt dies ein seltenes Beispiel für ein Tier dar, das auf ein globales Phänomen, nämlich das Ozonloch, reagiert und damit ein anderes beeinflusst, nämlich den Treibhauseffekt.”

Forschung: David K. A. Barnes, British Antarctic Survey, Cambridge; Piotr Kuklinksi, Institute of Oceanology, Polish Academy of Sciences, Sopot, und Natural History Museum, London; Judith E. Winston, Virginia Museum of Natural History, Martinsville; und andere

Veröffentlichung Current Biology, Vol. 21(4), R147-R148, DOI 10.1016/j.cub.2011.01.03
( via Scienceticker.com)